Stilecht mittelalterlich kochen

Auf fast allen mittelalterlichen Veranstaltungen sieht man auf den Kochstellen die Gulaschkessel hängen. Ich gebe zu: ich verwende sie auf manchen Veranstaltungen auch, weil sie einfach unglaublich praktisch sind.
Einige Gruppen haben sich die Mühe gemacht und geforscht und verwenden genietete Eisenkessel in verschiedenen Formen. Diese sind für viele Darstellungen nachgewiesen.
Es gibt aber noch eine weitere Form der Kochtöpfe, die vielen nicht bekannt ist und an die sich noch weniger wirklich rantrauen: Das Kochen im Tontopf.

Tontöpfe.JPG

Verschiedene Tontöpfe: Fränkischer Knickwandtopf des 7. Jahrhunderts, alamannischer Knickwandtopf des 6. Jahrhunderts. Dahinter zwei runde Töpfe, auch nach frühen Funden aber im Endeffekt zeitlos. Der große Topf hat einen Deckel aus Holz, der maßgefertigt wurde

Dabei ist das nicht so schwierig, wenn man einige Regeln beherzigt. Diese Regeln sind aber sehr wichtig. Man riskiert sonst, dass der Tontopf platzt und sich der schöne Eintopf ins Feuer ergießt – von dem schönen Topf und der Verletzungsgefahr durch abplatzende Scherben ganz abgesehen.

Es geht schon beim Einkaufen los. Töpfe mit Glasur sind nicht geeignet. Am besten sprecht Ihr mit dem Töpfer, ob der Topf zum Kochen ins Feuer darf. Generell spricht bei unglasiertem und gut durchgebranntem Ton aber nichts dagegen. Form und Gestaltung hängen von Eurem gewählten Darstellungszeitraum und persönlichen Präferenzen ab. Da hilft ein Blick ins Museum oder in Museumskataloge am besten weiter.

Knickwandtopf Detail.JPG

Ein typischer Knickwandtopf der Alamannen. Bei relativ niedrigen Temperaturen im Grubenbrand gebrannt und deshalb schwarz.

Wenn Ihr dann damit kocht, achtet darauf, den Topf nicht direkt ins Feuer zu stellen. Überhaupt, das Feuer: Man braucht keine hochauflodernden Flammen, eine ruhige Glut ist viel besser geeignet. Macht also die Feuerstelle groß genug, dass Ihr auf der einen Seite Holz nachlegen könnt, der Topf aber immer schön in der Glut steht.

Den gefüllten Topf – nie einen leeren in die Glut stellen! – stellt Ihr dann erst mal in ca. 20 – 30 cm Abstand zur Glut ans Feuer, damit er langsam vorwärmen kann. Dreht ihn ab und an, damit alle Seiten warm werden. Dann rückt Ihr den Tontopf alle 10 – 15 Minuten um 10 cm näher an die Glut. Drehen nicht vergessen!

Vorsicht: der Topf wird außen heiß bevor das Kochgut warm ist. Fasst also den Topf nicht mit bloßen Fingern an, Ihr verbrennt Euch sonst.

Drehen des Topfes im Feuer

Den Topf mit dem Kochgut langsam anwärmen, immer wieder drehen und dabei nicht die Finger verbrennen

 

Wenn der Topf dann in der Glut steht, könnt Ihr entweder weiter alle 15 Minuten den Topf drehen, oder Ihr schiebt einfach die Glut zurecht, so dass sie gleichmäßig um den Topf herum liegt. Dann geht es je nach Menge des Kochgutes relativ fix und Euer Essen ist fertig.

Bevor es aber soweit ist, gibt es noch zwei Dinge:
Nie, aber auch gar nie, den Kochlöffel am Kochtopf abklopfen! Man ist das so von den Metalltöpfen gewöhnt, das man das fast unbewusst tut. Ein Tontopf steht von der Hitze unter Spannung und springt Euch dann einfach.
Und das zweite: Keine Temperaturschocks! Sonst habt Ihr das gleiche Ergebnis als würdet Ihr mit dem Kochlöffel gegen den Topf schlagen.
Solltet Ihr zu wenig Wasser im Topf haben und nachgießen müssen, dann nehmt vorgewärmtes Wasser oder gebt es wirklich ganz vorsichtig löffelweise dazu.

Tongefaesse.JPG

Tongefäße im Einsatz. Ganz links der Knickwandtopf, der weiter oben schon im Feuer steht

Vor dem Spülen sollte der Tontopf komplett ausgekühlt sein. Ich nehme zum Spülen nur heißes Wasser und ein Bürstchen, damit keine Seife in die Poren des Topfes kriecht.

Das klingt jetzt fürchterlich kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht. Zusammengefasst ist das alles überschaubar:
– Tontöpfe nicht leer ins Feuer stellen
– Langsam vorwärmen, dabei drehen
– Nicht mit dem Löffel gegen den heißen Topf schlagen
– Temperaturschocks beim Nachgießen von Flüssigkeiten vermeiden

Noch was: Braten kann man im Tontopf nicht. Aber Schmorgerichte und Eintöpfe sind aus dem Tontopf unschlagbar lecker und im Gegensatz zur Zubereitung im Eisenkessel werden sie im Tontopf nicht grau.

Dreh Eintopf

Leckeres Essen aus dem Tontopf

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2 Antworten zu Stilecht mittelalterlich kochen

  1. Kendall Comnick schreibt:

    Oh wow! Das wusste ich noch garnicht, großes Dankeschön für diesen tollen Artikel!

    Gefällt mir

  2. Pingback: Medieval style cooking | Schickes und Schönes

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